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Märkische Umfahrt, Tag 1

Author: Lutz Pietschker
Version: 2014-05-30

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Von Berlin-Britz bis Zeuthen

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siehe Bildunterschrift
Kurze Pause am Tanklager; Massantebrücke
siehe Bildunterschrift
Schrottverladung beim ehem. Kraftwerksgelände
siehe Bildunterschrift
Autobahnbrücke; noch 4 km bis zur Dahme

Mein Startplatz war am Teltowkanal, km 28, an der asphaltierten Uferpromenade, die bei der kleinen Sackgasse Delfter Ufer an der Buschkrugallee beginnt. Ca. 150 in die Promenade hinein ist ein 3x15 m großes Betriebsgelände, dessen Hinweisschilder man schon mal übersehen kann; es ist einfach ein Stück Wiese mit abgesenkter Uferbefestigung, perfekt zum Einsetzen. Alternativ gibt es direkt am Anfang der Promenade eine Steintreppe, die zu dem hier 50 cm hohen Ufer führt, das geht im Notfall auch (falls z.B. auf dem Betriebsgelände Betrieb ist), ist aber etwas mistig.

Die Wahl des Startplatzes hatte keinen tieferen Sinn, es ging nur um eine kurze Anfahrtstrecke mit dem Auto und halbwegs direkten Zugang zur Spree oder Dahme. Außerdem dachte ich, auf den 10 km Teltowkanal könnte ich das Fahren mit Stechpaddel gut üben, ohne durch übertriebene landschaftliche Schönheit abgelenkt zu werden. Das hat funktioniert.

Gegen 9 h war ich auf dem Wasser; das GPS zeigte mir beim entspannten Paddeln eine durchschnittliche Geschwindigkeit von 4 km/h, was ungefähr meiner Annahme entsprach und also schon mal beruhigend war. Pausen gab es regelmäßig, aber nur kurz, ich wollte möglichst den Motorboot-Nachmittagsverkehr auf den Dahmeseen vermeiden, d.h. die Etappe so gegen 15 h beenden. Wie erwartet, hielt sich der Reiz der Strecke in Grenzen, obwohl ich die andere Perspektive auf eigentlich bekannte Ortsteile immer wieder interessant finde, genau wie den wasserseitigen Blick auf Industrie und Verkehr. Und es gibt eben auch immer wieder außergewöhnliche Sachen zu sehen, z.B. einen Tauchereinsatz an einem Industrie-Anleger oder einen Tonnenleger (der hat seinen Heimathafen genau gegenüber meiner Einsetzstelle).

Paddeltechnisch kam bald eine gewisse Routine auf, und ein begrenztes, weitgehend geradliniges Gewässer wie der Teltowkanal zeigt einem einerseits sehr schön, dass man sich wirklich bewegt, und anderseits, wenn man Schlangenlinien fährt, ein perfekter Paddel-Übungsplatz, wenn man die (spärliche) Berufsschifffahrt im Auge behält.

siehe Bildunterschrift
Eigenbau? Gescheitertes Projekt?
siehe Bildunterschrift
Die Regattastrecke Grünau
siehe Bildunterschrift
Regattastrecke: Schiedsrichterturm
siehe Bildunterschrift
Eines der beeindruckenden Ruder-Vereinshäuser an der Regattastrecke

Sobald man auf der Dahme ist, ist man im Reich der Wassersportvereine, aber auch der teuren Villen und exklusiven "Wasserlagen", deren Eigentümer gelegentlich schon mal überreagieren; als ich mich einem solchen Grundstück näherte, fühlte sich ein Lakai bemüßigt, auf einem Golfwagen die ca. 150 m vom Haus zum Ufer zu fahren und, nun ja, rumzupöbeln, man kann es kaum anders nennen. Ich war immerhin noch mindestens 50 m vom Steg entfernt und hatte nicht mal vor, dichter heranzufahren, aber der Verdacht genügte ihm offenbar. Der war aber eine Ausnahme, die anderen gaben sich mit mehr oder weniger großen "Egal was Sie wollen, es ist verboten!"-Schildern zufrieden, teilweise ergänzt durch freundliche Hinweise auf gefährliche Exemplare aus der Familie der Canidae. Nun ja, wer weiß, was für Erfahrungen diese armen Menschen gemacht haben.

Erfreulicher die Vereinshäuser, vor allem die der Ruderer. Das ist eine Pracht, wie man sie heutzutage kaum noch wagen würde, zu bauen, aber sehr schön anzusehen, und außerdem Rastplätze, an denen man mit Freundlichkeit rechnen kann.

Das nächste Highlight ist die Regattastrecke, die man wirklich tunlichst auf der Nordseite umfahren sollte, es wird am südlichen Ende (also im Startbereich) recht eng, wenn die Strecke in Benutzung ist. Dort trainieren nicht nur Ruderer, sondern auch Kanuten, an diesem Dienstag waren mindestens 8 Boote zugange.

Richtung Langer See, ab Freibad Grünau, wird es dann etwas weniger pompös, es ist uraltes Berliner Ausflugsgebiet, man paddelt viel an Wäldern vorbei, bis dann bei Karolinenhof und Schmöckwitz wieder die Villen auf Wassergrundstücken die Wasserkante belegen.

siehe Bildunterschrift
Durch die Schmöckwitzer Brücke; rechts von den Häusern ist das Strandbad Schmöckwitz
siehe Bildunterschrift
Hier dürfen nur Enten ruhen.
siehe Bildunterschrift
Seltsam, aber anscheinend freundlich: Nessie
siehe Bildunterschrift
Ein freundliches Bootshaus. Rechts (und links auch) die "Schließfächer" für Paddelboote.

An Schmöckwitz entlang, durch die Schmöckwitzer Brücke, und schon ist man im Zeuthener See, wo die Ufer ebenfalls weitgehend in Privathand sind. Der Motorbootverkehr hielt sich auch hier in Grenzen, und die Boote, denen ich begegnet bin, waren ausgesprochen rücksichtsvoll und gingen in der Nähe meines Bootes vom Gas, eine Erfahrung, die ich während der gesamten Paddelfahrt fast ausnahmslos machte. Entweder stimmt was nicht mit meinen Vorurteilen, oder zu dieser Jahreszeit waren einfach noch nicht die großen Rüpel dieser Welt auf dem Wasser. Jedenfalls war das sehr erfreulich, lauter Rücksichtnahme, vom hochseefesten Kreuzer bis zum Wassermoped, ich bedanke mich herzlich!

Der Campingplatz, den ich suchte, war für mich zu gut versteckt (aber es gibt ihn: "Freizeitsportverein Zeuthener See I e.V." heißt er und liegt am Ostufer, direkt südlich vom Strandbad). Also fing ich an, nach Alternativen Ausschau zu halten. Nach zwei Dritteln der Länge des Sees hatte ich Glück; ein freundlicher Bootsmeister sagte mir, ich solle damit keine Reklame machen, aber er hätte für Wanderer in Problemen meistens noch ein Zimmer frei. Das mit den Problemen habe ich erst verstanden, als ich mich umgedreht habe: Da stand eine gewaltige schwarze Regenwolke über dem Ostufer, die mir bis dahin entgangen war, weil ich immer ans Westufer gesehen hatte. Fokussierung hat auch Nachteile.
Na, alles passte, das Boot war vor noch dem Regen entladen und versorgt, nach dem Duschen war der Schauer auch schon vorbei, und es war noch Zeit für eine Bockwurst im Café Dreißig, einen kurzem Rundgang durch Zeuthen und die Planung für den nächsten Tag bei einem Bier in den Goethe-Stuben.

Abends gab es dann noch einen Plausch unter Paddlern vor dem Bootshaus; einige Berliner haben dort ihre Boote liegen und Ferienzimmer fest gemietet, quasi als Dauer-Wochenendquartier am Wasser.

Ein Hoch auf die freundlichen Bootshäuser dieser Welt!


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